"Mörderisches Heidelberg"

RÜCKBLICK AUF DIE 1. KRIMITAGE HEIDELBERG 2008 (3. - 5. Juli 2008)


Das Festival mit geringer Vorlaufzeit und geringsten finanziellen Mitteln, dafür aber mit umso mehr Kreativität, Liebe zum Detail und noch mehr Herzblut ins Leben gerufen vom Buchhändler und Antiquar, Stefan Schöbel, seinem guten Geist im Laden, Gerd Lind, und den Heidelberger Autoren, Marcus Imbsweiler und Stephan Peters, kann ohne Übertreibung als voller Erfolg und Bereicherung des kulturellen Lebens der Region gewertet werden.


AutorInnen und Veranstalter der Krimitage 2008

Verantwortlich für die vielen Leichen, die in Heidelberg seit Donnerstag gefunden wurden, waren 9 Autoren und 2 Autorinnen, die entweder in der Kurpfalz leben, mit Ausnahme des Altmeisters Frank Göhre aus Hamburg, oder aber deren Romane in der Gegend angesiedelt sind. Die Autoren lasen an liebevoll und stimmig ausgewählten Orten in der Heidelberger Altstadt.

Marlene Bach las im Café Burkhardt nicht zuletzt, da ihre Hauptfigur, die robuste, füllige Kommissarin Maria Moser aus dem Roman "Kurpfälzer Intrige" ausgewiesene Kuchenliebhaberin ist. Die Geschichte um den Tod einer jungen Frau nahe dem alten Steinbruch Heidelbergs brachte die Zuhörer, die zahlreich erschienen waren, zum Schmunzeln und Lachen. Dann und wann sah man während der Lesung aber auch in nachdenkliche Gesichter. Im Oktober erscheint ihr neuer Roman um Maria Moser mit dem Titel "Ab in die Hölle".

Der Fahrradladen Eldorado bot Marcus Imbsweiler eine ideale Kulisse für einige Szenen aus seinem Werk "Bergfriedhof". Beginnend mit der Einspielung einer Tonaufnahme der ersten Zeilen seines Debütromans hatte Marcus Imbsweiler schnell die ZuhörerInnen auf seiner Seite. Es folgte eine Szene über eine rasante Fahrradfahrt vom Klingenteich bis zu ihrem abrupten Ende in der Plöck. Der Autor wechselte nochmals den Ort mit einer Szene, die in einem Chemischen Betrieb in Darmstadt angesiedelt ist. Dieser Tage erscheint der zweite Roman um den verkrachten Studenten Max Koller mit dem Titel "Schlussakt".

Zum Abschluss des ersten Abends lasen Thomas Schnepf aus "Heidelberger Mordsteine" und Ralf Gréus aus "Die gordische Lüge" im ausverkauften Jazzhaus der Kulturbrauerei.

Der zweite Tag des mörderischen Heidelbergs wurde mit einer Doppellesung im Absinthladen "Grüner Engel" eröffnet. Oliver Schilling bot Szenen aus seinem schon etwas älteren Roman "Herrgöttle" (2003) dar, in dem der Student, Thomas Haas, in die "Provinzgroßstadt" Heilbronn zurückgekehrt nicht nur hinter das Geheimnis aus der Vergangenheit des Herrn Göttle kommt, sondern auch die Wahrheit über den Tod seines Vaters erfährt. Mit "Ritual in den Tod" entführte der Autor Stephan Peters seine ZuhörerInnen in die unbekannte Welt der Corps-Studenten in Marburg. Da das Lokalkolorit in diesem Roman nur eine untergeordnete Rolle spielt, könnte sich diese Geschichte auch in Heidelberg zugetragen haben. Für den Verbindungsstudenten, Alexander von Schmalenbach, ist die große Stunde gekommen: Die Mensur, die Eintrittskarte für seine zukünftige Karriere steht an. Doch für Alexander endet sie tödlich. Zwei Marburger Kommissare ermitteln und kommen dabei einer Intrige auf die Spur. Bei den anschließenden Fragen drehte sich fast alles um die Männerbünde. Dank des Insider-Wissens von Stephan Peters konnte das Publikum mit dem sicheren Gefühl nach Hause gehen, etwas über die seltsamen Gepflogenheiten von schlagenden Verbindungen gelernt zu haben.

Der lauschige Innenhof des "Weinatriums" bildete die malerische Kulisse für ein Zusammentreffen der besonderen Art. Carlo Schäfer las aus seinem 64-seitigen Mini-Krimi "Kinder und Wölfe". Tobias Schmutz, ein - gelinde gesagt - unkonventioneller Pfarrer wird in ein Kaff am Kaiserstuhl strafversetzt und dort wider Erwarten herzlich aufgenommen. Der kleine Marvin Sänger wird tot in einem Brunnen gefunden. Schmutz nimmt sich auf seine ganz eigene, respektlose und unorthodoxe Art des Falles an. Das Publikum, das mit Wein und Antipasti auf vorzüglichste vom Ehepaar Baumann verköstigt wurde, war über dieses Buch und den Vortrag seines Autors begeistert und dankte es ihm mit lang anhaltendem Beifall. Als Gegenpol trat der eigens aus Hamburg angereiste Altmeister des deutschen Krimis, Frank Göhre, mit seiner romanhaften Biografie über Friedrich Glauser an. Seine Annäherung an Glauser, die auf eine lange Beschäftigung mit einem der Urväter des deutschsprachigen Kriminalromans zurückgeht, nahm das Publikum ab dem ersten Moment gefangen. Das Schicksal des Schriftstellers Glauser, seine Drogensucht, Entziehungskuren, Entmündigung und nicht zuletzt sein früher Tod, wurden von Frank Göhre mit gebührem Respekt und Einfühlungsvermögen dargeboten. So konnte sich ein geistig und körperlich gestärktes Publikum über einen mehr als gelungenen Abend freuen und sich auf den letzten Tag der Heidelberger Krimitage bei Fachsimpelei, aber auch entspannenden Plaudereien, vorbereiten.

Der Samstag begann bei idealem Wetter im Hof der Buchhandlung Schöbel mit der Vorstellung des Conte Verlags aus Saarbrücken, der auch die Bücher von Lilo Beil verlegt, die als erste an diesem Tag aus ihrem zweiten, im März erschienen Roman "Das Licht unterm Scheffel" las. Die Geschichte aus den 60er Jahren erzählt vom Diebstahl zweier Vermeer-Fälschungen, dem Mord an der Freundin und der Aufklärungsarbeit von Kommissar Friedrich Gontard. Humorig und mit liebevollen Details ausgeschmückt trug die Autorin ihre Geschichte vor. Es folgte Walter Landin mit seinem Roman "Mannheimer Karussell", im Mannheimer Verlag Wellhöfer verlegt, dessen Programm er kurz vorstellte. In dem Roman findet Hermann Baumer, ein Technischer Zeichner aus Mannheim zuerst einen Erpresser-Brief im Briefkasten, dann eine Frauleiche im Ehebett. Die Lesung endete mit einer kleinen Krimiskizze aus der Kriegszeit, mit der der Autor es schaffte, trotz der sommerlichen Temperaturen, den ZuhörerInnen eine Gänsehaut über den Rücken laufen zu lassen.

Ihren Abschluss fanden die Krimitage in der Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, wo zunächst der Leiter des Kulturamtes der Stadt Heidelberg, Hans-Martin Mumm, dem Anlass entsprechend von historischen Gattinnenmorden am Heidelberger Hof zu berichten wußte, bevor Wolfgang Burger seinen Kommissar Gerlach ins Rennen schickte und aus seinem aktuellen Roman "Schwarzes Fieber" las. Gekonnt souverän las Burger von Gerlachs Versuch, das Rätsel um ein "stummes" Opfer eines Überfalls und den Mord an einem Afrikaner im Odenwald zu lösen. Gleichzeitig muss er sich als alleinerziehender Vater mit den Wünschen seiner Zwillingstöchter nach einem eigenen Pferd herumplagen. Gebannt und belustigt folgte das Publikum der Lesung, die nach guten 45 Minuten für die meisten Besucher viel zu früh endete.

Im idyllischen Innenhof der Gedenkstätte bot Julia Ferrarese mit ihrem jazzigen Akkordeonspiel den idealen Rahmen für einen schönen Ausklang dieser ersten Heidelberger Krimitage

Ein großes Kompliment geht sowohl an die Initiatoren dieser großartigen Veranstaltungsreihe als auch an die AutorInnen, die ohne Starallüren inmitten ihrer Fans gelesen, signiert und Rede und Antwort gestanden haben. Allen, die das "Mörderische Heidelberg" dieses Mal verpasst haben, bleibt wenigstens die Hoffnung auf eine Fortsetzung im nächsten Jahr.

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